Forming, Storming, Norming, Performing: Wie wird aus Rollenspielern eine Gruppe?

21. Mai 2015 at 17:09
Two and a half man

Dieses “Team” kam nie über das “Storming” hinaus.

Habt Ihr kürzlich mal mit einer neuen Gruppe gespielt? Dann erinnert Ihr Euch vielleicht noch an das merkwürdige Gefühl der Unsicherheit, wenn man sich begrüßt und an den Tisch setzt. Meisten lässt es erst nach, wenn man einige Stunde zusammen gespielt hat, manchmal aber auch früher. Und bei manchen Gruppen lässt es nie nach. Heute soll es darum gehen, was dahinter steckt und wie man etwas dagegen tun kann.

“Spieler gesucht!”

Vielleicht habt Ihr von den titelgebenendem Teamphasen nach Tuckman gehört. Sie sind ein einfaches Modell dafür, wie sich eine Gruppe findet und entwickelt bis sie am Ende gut funktioniert. Die erste Phase ist das “Forming”, die Findungsphase. Die Gruppe wird zum ersten Mal zusammengetrommelt. Das heißt, man trägt sich auf der Con in der Spielerliste ein, folgt einem Forenaufruf, einer Mail oder verabredet sich persönlich. Meist ist der SL derjenige, der die Gruppengründung anstößt und organisiert. Wenn sich die Gruppe dann am Tisch oder dem Spielort trifft ist ihre Bildung zuende. Man schaut sich in die Augen und stellt fest wer die anderen eigentlich sind. Es gibt aber noch kein Zusammengehörigkeitsgefühl und es herrscht das oben angesprochene Gefühl der Unsicherheit.

Tipps für das “Forming“:

  • In dieser Phase ist die Person mit dem größten Einfluss auf die Entwicklung der Initiator der Gruppe. Seid Euch dessen bewusst und nutzt diese Rolle, falls Ihr sie innehabt.
  • Es ist wichtig klar zu kommunizieren wo und wann gespielt wird und wer dabei ist. Zudem ist es hilfreich zu klären, ob jeder weiß wie er dorthin gelangt.
  • Macht klar, was geschehen wird. Welches System und Setting wird gespielt, gibt es vorgefertigte Charaktere oder sollen sie vorab gebaut werden und welche Rahmenbedingungen (Stufe, erlaubte Regelwerke,…) gelten? Falls Ihr nicht der SL seid, ermuntert ihm durch Nachfragen das zu klären, sofern er es nicht von sich aus macht.
  • Egal, ob Ihr Organisator seid oder nicht, da es noch viele Unklarheiten und Unsicherheiten bei allen geben dürfte tretet nicht zu forsch auf. Ihr könntet in dieser Phase schon Mitspieler vergraulen oder zumindest mit einem schlechten Gefühl starten lassen. Trotzdem ist es immer hilfreich, dass Ihr auf Mails o.ä. zumindest dem Absender oder der Gruppe mal antwortet. Das stärkt das Gefühl einer Zusammenarbeit und gibt den anderen einen ersten Eindruck von Euch. Als SL/Organisator gilt das natürlich umso mehr. Die Angeschriebenen bekommen auch das Gefühl einer motivierten Gruppe zu haben und freuen sich auf die Runde.

“Boah, das hab ich auch schon gespielt, ist scheisse.”

Mit den ersten Aufeinandertreffen startet normalerweise direkt das “Storming“. Meistens indem jeder von coolen Erlebnissen beim Rollenspiel oder von tollem Systemen, Filmen, Büchern oder Comics erzählt. Noch beliebter ist der Hinweis auf verhasste Produkte, man macht sich erst einmal weniger angreifbar. Mitten in dieser Phase startet auch meistens die Spielrunde. Dort äußert sich der Sturm gerne in Hahnenkämpfen ingame, das aktive Verhindern einer Führung unter den Spielern oder eine vorsichtige Zurückhaltung bei diesen Fragen auf Grund der angespannten Atmosphäre. Der Einzige, der jetzt automatisch eine Führungsrolle innehat ist der SL, weil sie ihm per Definition zugeschrieben wird. Manche SLs nehmen sie aber nicht an, sondern versuchen vorsichtig moderierend oder gar passiv den Sturm mit eingezogenem Kopf abzuwarten. Wie lange er dauert ist sehr unterschiedlich. Ungelöste Konflikte aus dieser Phase können langlebig sein und die Gruppe zerreißen. Das “Storming“ kann man auch als die Suche nach der Gruppenstruktur bezeichnen.

Tipps für das “Storming“:

  • Das Wichtigste gleich zuerst: Als allererstes nach dem Forming sollte man als SL kurz ein paar Worte zu sich selbst, dem Ablauf der Runde und was die Spieler sonst noch erwartet sagen. Ich habe z.B. mein SL-Credo an meinem SL-Schirm gehängt und verweise gerne darauf. So gibt man dem chaotischen Haufen vor sich etwas Orientierung, was den Start des Storming sehr erleichtert und Struktur vorgibt, die die Gruppe dann nicht mehr “erstürmen“ muss.
  • Als SL nehmt UNBEDINGT Eure Führungsrolle an. Ihr seid derjenige mit dem deutlich größten Einfluss in dieser Phase, Ihr könnt der Gruppe helfen schneller und besser durch diese schwierige und angespannte Phase zu kommen. Daher funktionierten die meisten der folgenden Tipps als SL am besten, denn die Spieler hören besser zu.
  • Wenn man Strukturen in die Gruppe einführt kann man helfen und das Storming verkürzen. Das lässt sich auch sehr defensiv tun, indem man z.B. anfangs fragt, wie lange gespielt werden soll und ob es eine “Pizzapause“ geben soll. Nach einem Gruppenführer zu fragen ist aber noch zu früh. Besser funktionierten andere Teile des Spielstils, wie festzulegen ob offen oder verdeckt gewürfelt wird (gerne auch vom SL ohne Nachfrage), wie wichtig Kämpfe sind und ähnliches (s. auch “Norming“ im nächsten Artikel der Serie).
  • In dieser Phase sind Konflikte normal und nichts schlechtes. Greift daher nur ein, wenn ein Konflikt zu einem Streit zu werden droht und holt ihn wieder auf eine sachliche Ebene herunter. Sollte es ein zwischenmenschliches Problem sein, dann klärt es wie erwachsene, nein, besser wie vernunftbegabte Menschen.
  • Hausregeln oder andere Grundlagen (s. SL-Credo) des Spiels sollten trotz allem immer vor den tatsächlichen Rundenstart besprochen werden, wenn nichts wirklich gravierendes dagegen spricht. Das gilt auch, wenn aufgeregte Diskussionen zu befürchten sind. Wenn man das nicht tut und die Spieler mit falschen Erwartungen am Tisch sitzen, dann führt das später zu viel größeren, teils unterschwelligen Problemen.

Im nächsten Teil dieser kleinen Serie geht es um die weiteren Phasen der Teamentwicklung “Norming“ und “Performing“.