Wir sind das Volk! – Zahlen für dein Königreich

9. Januar 2015 at 08:16

Rollenspieler sind Weltenbauer.

“Soweit nichts neues, du Pfeife.“

Kommt ja noch. Die Frage, wie viele Menschen in einem mittelalterlichen Königreich leben ist sicher in mancher Spielgruppe schon ausführlich diskutiert worden. S. John Ross hat sich im Artikel “Medieval Demographics Made Easy” die Mühe gemacht entsprechende Zahlen aufzubereiten. Ein toller Artikel, der für rollenspielerische Zwecke alles bietet, was man braucht. Er bietet sogar gleich eine Methode an, nach der man die Bevölkerung seines Königreichs ausrechnen kann. Um es noch einfacher zu machen, habe ich dazu eine kleine Anwendung namens ”Population Calculator” geschrieben, die die Methode von John umsetzt. Keine Rechnerei mehr, nur ein paar Zahlen eintragen und fertig ist das Königreich. Damit Ihr die Zahlen auch interpretieren könnte, habe ich Johns Methode übersetzt und zusammen gefasst.

Ein Königreich für… äh… ein Königreich

Die Basis der Methode ist ein komplettes Königreich aus. Dafür hat John herausgesucht, wie sich mittelalterliche Bevölkerungszahlen verhalten haben und welche Bevölkerungsdichte es im Schnitt haben kann. Die minimale Dichte, die er angibt, sind 30 Bewohner pro Quadratmeile (ich bleibe bei Meilen, da sicher manche von uns eh englische Bücher haben und die Umrechnugn alles ziemlich schief machen würde). Diese Dichte gilt für eine sehr felsige Gegend, sehr viel Regen und Eiswüsten, dann hat man so wenig Bewohner. Ein verrückter König, der sein Land bis zum Blut knechtet, tut es natürlich auch. Die maximale Bevölkerungsdichte liegt bei 120 Bewohner pro Quadratmeile. Dafür braucht es aber sehr fruchtbaren Boden, eine gute Wetterlage oder auch magische Hilfe. Irgendwo in diesem Bereich kann man nun die durchschnittliche Bevölkerungsdichte für sein Königreich wählen. Wenn man stark unterschiedliche Regionen in seinem Reich hat, kann man das dann später bei der Verteilung der Städte berücksichtigen oder man trennt das Königreich virtuell auf. Egal für welche Variante man sich entscheiden hat, man nimmt die Bevölkerungsdichte einfach mit der Größe mal und schon weiss man, wie viele Untertanten dort leben und sterben. Für Hex-Karten gibt es auch einen praktischen Umrechnungsfaktor auf Quadratmeilen, den habe ich auch gleich mit eingebaut.

Der nächste Schritt sind Siedlungen. Dabei gibt es die Kategorien Großstadt (12.000 bis 100.000 Einwohner, manchmal auch größer), Stadt (8.000 bis 12.000, typischerweise um die 10.000), Städtchen (Blöder Name, aber “town” neben “city” zu übersetzen ist echt Mist. 1.000 bis 8.000 Einwohner, typischerweise 2.500), Dorf (20 bis 1.000, meisten 50 bis 300). Alles darunter sind einsame Höfe oder kleine Ansiedlungen, die nicht einmal die Bezeichnung “Dorf“ verdienen. Die größeren Siedlungen befinden sich üblicherweise an Punkten wie schiffbaren Flüssen, Flussmündungen, Küsten oder Handelsrouten bzw. deren Kreuzungen. Sie lassen sich also recht einfach auf einer vorhandenen Karte verteilen bzw. geben eine erste Richtung vor, wie viele solcher Punkte man denn überhaupt braucht, wenn man beginnt die Karte zu zeichnen.

Ein Dorf ist immer da, wo man es braucht

Jetzt gilt es die Bevölkerung auf die einzelnen Siedlungen zu verteilen. Dazu gibt es einen simplen mathematischen Schlüssel: Die größte Stadt hat [2d4+10 * Wurzel aus der Königreichsbevölkerung] Einwohner. Dies ist wahrscheinlich auch die Hauptstadt, wenn es keine krassen Gründe gibt, die dagegen sprechen. Danach kommt die nächstgrößere Stadt mit [2d4*10%] weniger Einwohner als die Hauptstadt. Der Rest der Städte folgt nach einem einfachen Muster. Die Einwohnerzahl sinkt immer um [2d4*5%] verglichen mit der vorherigen Stadt, bis sie unter die Untergrenze für Städte sinkt (s.o., 8.000 Einwohner).

Für Städtchen wird zunächst deren Anzahl bestimmt. Diese ist die Anzahl der Städte mal 2w8. Die Einwohnerzahl dafür ist im Originalartikel leider nicht richtig angegeben. In seinem Beispiel scheint er den typischen Wert von 2,500 Einwohnern zu nehmen. Da muss man dann selbst etwas variieren, je nach Umgebung der Stadt. Die Summe aller Siedlungen bis hierhin ist die urbane Bevölkerung. Alle anderen wohnen “auf dem Land“, also in Siedlungen oder noch einsamer. Dies ist der weitaus größte Anteil und deren Häuser tauchen immer dort auf, wo man sie gerade gebrauchen kann. Dieses Vorgehen sollte jedem SL bekannt sein ;) Die jeweilige Bevölkerungsdichte gibt dabei gute Anhaltspunkte, wie oft man bei Reisen über Land auf Anwesen trifft.

“Chrrrrr, wie langweilig!“

Eigentlich war es das schon.

“Ja, eigentlich… Los, werd fertig!“

Gibt es bei D&D mehr Bücherverkäufer?

Eine wichtige Information fehlt noch. Jede Siedlung hat natürlich auch Handwerker und Dienstleister. Dazu hat John eine kleine Tabelle gebastelt, die anzeigt, auf wie viele Einwohner ein Arzt, Schmied, Priester usw. kommt. Das ist zum einen sehr nett um herauszufinden, ob das verschlafene Nest, in dem die Charaktere gerade aufschlagen, einen Schneider haben sollte oder um zu schauen wie viele Handwerker es in einer Stadt gibt, wenn man diese vorab genauer ausgestalten will. Dabei fiel mit auf weite schwer es ist in einem Städtchen einen Bücherverkäufer zu finden. Aber das kann natürlich je nach Setting auch etwas variieren. Hier geht es eher um mittelalterlich geprägte Reiche. In einer High-Fantasy-Welt wie D&D gibt es wahrscheinlich mehr Bücherverkäufer.

“Bücherverkäufer? Sind das alle Sorgen, die du hast?“

Jetzt kennt Ihr die Methode und könnt vor allem die Zahlen, die Ihr im Bevölkerungsrechner findet hoffentlich besser einschätzen. Ihr braucht also eigentlich nur die Größe Eures Königreichs und die Bevölkerungsdichte und alles andere rechnet euch die Software komplett aus (Ihr müsst nicht einmal klicken, denn sie reagiert auf jede Änderung der Eingabefelder). Na ja, fast ganz, denn ein paar Stellen gibt es noch, an denen ich feilen muss, z.B. die korrekte Berechnung der Anzahl und Bevölkerung von Städtchen und die Vervollständigung der Handwerkerliste. Aber wenn Euch sonst etwas auf- oder einfällt, was nicht funktioniert oder wie man die Seite verbessern könnte, dann sagt bitte Bescheid! Ich möchte ein angenehmes Tool für jedermann bieten und dafür brauche ich Euer Feedback.

“Hättest du nicht einfach den Link zu der Seite posten können? Wen interessiert denn der ganze Sermon davor? Ist doch kotzlangweilig.“

Zum “Population Calculator”