Splittermond angespielt: Tickt’s noch richtig?

17. November 2014 at 09:30

Splittermond-Logo-finalDas Ticksystem ist wohl eines der kontroversesten Themen, über die bei Splittermond diskutiert wird.

“Wer kommt auch auf die bescheuerte Idee noch mehr Zettel unter den Chipstüten auf den Tisch zu verstecken? Dann muss man damit auch noch kleinteilig jeden halben Hering abzählen. Typisch deutsche Erbsenzählerei!“

Alles halb so wild

Genau in diese Richtung geht die Kritik meistens. Zum Teil scheint das aber mehr Angst als das Ergebnis eines Tests zu sein. Klar, wer ein leichtgewichtiges, erzählerisches Spiel mag, der wird mit den Ticks nicht glücklich werden, aber es spielt sich flüssiger als man denkt. Man legt den Plan daneben, stellt ein paar Maker drauf und verschiebt die dann im Kampf entsprechend seiner Aktion. Die Kosten dafür stehen direkt bei den Aktionen, Zaubern oder Waffen dabei und auf dem Plan sind die Wichtigsten noch einmal zusammengefasst.

Es ist natürlich etwas mehr Aufwand als klassische Initiativesysteme, aber es bietet auch interessante Vorteile. Es ist z.B. gelungen Kosten für die aktive Abwehr gut zu wählen. Es ist nicht so teuer, dass man es nur selten benutzt, aber man verpasst immer mal wieder einen Angriff dadurch. Da man durch eine aktive Abwehr auch nicht wahnsinnig viele Punkte dazu gewinnen kann, lohnt es sich auch nur in eher knappen Fällen, so dass man nicht nur noch mit Abwehr beschäftigt ist und gar nicht mehr zum Angreifen kommt. Das gilt auch, wenn man mehrere Gegner gegen sich hat, ein Fall, der in einigen Systemen kritisch ist.

“Ach, der feine Herr findet auf einmal eine aktive Parade toll. Viel spaß mit DSA, Du Pfeife!“

Nein, finde ich nicht. Aber sie stört bei SpliMo deutlich weniger, weil man sie nicht so oft einsetzt. Das System für die aktive Abwehr ist nur gut gewählt.

Realismus schlägt Spielbarkeit

Etwas arg gewöhnungsbedürftig finde ich Zauber und Fernkampfangriffe. In beiden Fällen muss man sich zunächst vorbereiten. Wie lange das dauert hängt vom Zauber oder der Waffe ab. Dann muss man zum “Auslösen” des Angriffs noch einmal feste Tickkosten “zahlen”. Erst bei dem zweiten Schritt wird der eigentliche Angriff abgewickelt. Es ist zum einen etwas umständlich, dass man zwei mal dran ist, um einmal zuzuschlagen. Das ist einfach mehr “Buchhaltung”, die in meinen Augen unnötige Zeit kostet. Zum anderen wertet das die betroffenen Angriffe deutlich ab. Z.B. stelle ich mich als Bogenschütze etwas abseits hinstelle, um zu verhindern, dass mich Gegner im Nahkampf angreifen. Während ich einen Pfeil auf die Sehne lege, mich also auf den Angriff vorbereite, rennen die Gegner dann aber auf mich zu, statt zu meinen Begleitern zu rennen, dann habe ich die ganze Vorbereitung verschwendet. Bei Zaubern wird es ähnliche taktische Situationen geben. Damit kann es immer schnell sinnlos werden einen solchen Angriff vorzubereiten.

“Realismuskeule! Totschlagargument!“

Genau, da hast du ausnahmsweise mal Recht. “Das ist so aber realistischer.” Ist ja nett, aber wenn das bedeutet, dass es sich nicht mehr wirklich lohnt im Fernkampf zu kämpfen oder bestimmte Zauber zu wirken, dann scheint der Realismus entweder in der Fatansy seine Grenzen zu finden oder er ist so unvollständig, dass man ihn gleich vergessen kann. In früheren Zeiten hat es jedenfalls Leute gegeben, die mit Bögen geschossen haben und wenn der sogenannte Realismus dazu führt, dass sich das nicht mehr lohnt, dann ist es kein Realismus, dann ist es Unfug.

“Pft, das sind echt die dümmsten Rollenspieler. Setzen sich in ihre abgedunkelte Koje bei Kerzenschein und spielen in ihrem Kopf mit Feen, Drachen und Magie und kommen dann aber mit Realismus um die Ecke. Die Meisten sind eh viel zu feige und unsportlich, um überhaupt mal irgendwie gekämpft zu haben. Vielleicht führt Rollenspiel doch zu Schizophrenie?“

Soweit möchte ich jetzt nicht gehen. Aber bzgl. der “Aufladenagriffe” bei SpliMo könnte man meiner Ansicht nach noch einmal nachbessern. Oder man holt mal wieder die Hausregelkiste hervor.

Dieser Artikel ist Teil einer kleinen Serie, in der ich unsere Erfahrungen mit Splittermond zusammenfassen werde. Die folgenden Artikel werden in den nächsten Tag auf diesem Blog erscheinen:

Wie war eigentlich Splittermond?

Splittermond angespielt: Der Geist von Opa

Splittermond angespielt: 3, 2, 1, Risiko!