Königsmacher: Der König und sein Diener

5. Juli 2013 at 08:41

43135_0Der Königsmacher-Abenteuerpfad hat einiges Aufsehen erregt, weil er eine Rückkehr zum klassischen Hexcrawl ist. Statt der üblichen mundgerecht aufbereiteten Abenteuerverläufe, gibt es hier eine Hexfeld-Karte, die mit allerlei interessanten Orten angerichtet ist, und als Beilage eine Tabelle mit Wildnisbegegnungen. Als Vorspeise bekommt man die übliche Kost, nämlich einen einfachen Grund, warum die Charaktere sich überhaupt in die “verhexten” Lande begeben sollen, aber auch diese ist gut gemacht. Vom Konzept her also eine wirklich runde Sache, die sich so manche Gruppe mit heranwachsendem König sicher schmecken lassen wird. Mich juckt es auch schon in den Fingern, allerdings gibt es eine Sache, die mich weniger glücklich stimmt.

Der König, also der oder die Spieler, möchte sein Mahl auch zubereitet haben. Diese Tätigkeit eines Dieners bleibt dem SL überlassen. Und genau auf dieses Sinnbild läuft es hinaus. Es ist ein tolles Abenteuer mit viel Freiheiten und vielen bunten Zutaten, die sich der SL in der ganzen Welt zusammensuchen darf. Informationen zu NSCs sind über mehrere Seiten verstreut, die Texte sind, abgesehen von der Ortsbennnung, ziemlich unstrukturiert. Gerade die Informationen zu den NSCs sind wie Ostereier im Fließtext versteckt. Wenn Ihr ein Beispiel wollt, dann sucht einmal die Zutaten zu “Oleg”, dem Eigentümer des Handelspostens, im Buch zusammen. Immerhin, der Abschnitt über Wildnisreisen hat ein eigenes Kapitel am Ende spendiert bekommen, wo dann auch die wilden Monster zu finden sind. Guckt man aber weiter vorn bei einer Begegnung mit Feenwesen, dann sieht man dort, dass diese einem auch zufällig begegnen können. Bei den Wildnisbegegnungen gibt es darauf aber überhaupt keinen Hinweis. Also muss der Diener ran und sich eine Notiz dran kleben. Und wenn er schon beim Schreiben ist, dann schreibt er sich am besten gleich alle Infos zu Oleg und diverses anderes zusammen.

Solche Stellen gibt es in dem Rezept namens “Geraubte Lande, Königsmacher Teil 1″ genügend. Wenn man nicht gerade mit einem richtig guten Gedächtnis ausgestattet ist, aber trotzdem keine der vielen wirklich lecker gemachten Kleinigkeiten und Ideen vergessen möchte, dann hilft nur eins: Mit Klebezetteln und Kopierer bewaffnet das ganze Abenteuer durchackern und sich alles zusammenschreiben, was nötig ist. Das geht zwar sicher immer noch schneller, als sich selbst eine Hexcrawl-Sandbox in dem Detailgrad und mit angeschlossenem Königreich aus den Fingern zu saugen, aber es kostet trotzdem viel Zeit. Deutlich mehr Zeit als ich bei einem fertigen Rezept erwarte. Es ist aber zugegeben trotzdem ein tolles Abenteuer und seine 20€ echt wert.

Also liebe Autoren, versucht beim Schreiben mal weniger Eurer Feder zu folgen, sondern versucht Euch mal in den armen Diener hinein zu versetzen, der das Werk einem zukünftigen König präsentieren soll und packt mehr Struktur hinein und erhöht die Zugänglichkeit. Das ist noch verdammt viel Luft nach oben.