Wir lassen unseren SL aus den USA einfliegen

22. Mai 2013 at 08:45

PIC000038 “Hast Du im Lotto gewonnen oder was ist los?“ Nein. Wir hatten vor kurzem einen “Pathfinder Society Game Day”. “Hört sich gruselig an.“ Wir haben quasi den ganzen Tag Pathfinder gezockt, aber nicht einfach so, sondern “Pathfinder Society” (PFS). Das sind von Paizo unterstützte Spielrunden für Pathfinder, das “organized play program”. “Organized was?!“ Nur mit der Ruhe, dazu wird es später noch mehr auf diesem Blog geben. Anlass dieses Game Days war, dass Mike Brock, der weltweite Koordinator bei Paizo für die PFS derzeit in Deutschland unterwegs ist und in Karlsruhe vorbei geschaut hat. Dabei hat er uns eine Runde “Bonekeep” mitgebracht, ein Pathfinder Society-Abenteuer, dass erst auf der GenCon veröffentlich wurde. Wir durften es PFS-exklusiv spielen und versuchen dabei nicht zu sterben.

Der Game Day bestand aus drei Runden. Start war, für einen Samstag, recht früh morgens um neun. Die ersten beiden Runden fanden mit jeweils zwei Tischen statt. Jeweils einen für Neueinsteiger und einen für erfahrenere Pathfinder. Ich habe in der erste Runde am Neulingstisch geleitet. Und wie die Würfel es so wollten, hätte ich im ersten Kampf beinahe einen TPK produziert. Aber da die Gegner nur dumme Untote waren, ging das gerade noch einmal gut. Im zweiten Anlauf wusste die Gruppe dann auch, was sie erwartet und konnte der Gefahr problemlos Herr werden. Sie hat in der Folge dann ohne weitere ernsthafte Schäden das Blackros Museum in Absalom von einem bösartigen übernatürlichen Nebel befreit und sogar den Kurator gerettet. Für eine Gruppe neuer Pathfinder eine prima Leistung. Am anderen Tisch haben die erfahrenen Pathfinder es geschafft sämtliche Monster des Abenteuers auf einmal anzulocken. Ein epischer Kampf entbrannte, doch nach einigen Stunden massiven Blutvergießens konnten alle besiegt werden.

Danach ging es für mich als Spieler mit der Untersuchung merkwürdiger blutiger Zwischenfälle an einer Ausgrabungsstätte weiter. Wir mussten rinrn ausgegrabenen alten Tempel erforschen und das Unheil, das dort hauste, beseitigen. Das gelang und auch ziemlich gut. Ein paar Ghoule hätten zwar beinahe die gesamte Gruppe paralysiert, aber mit vereinter Gewaltätigkeit (der Paladin, der Lore Warden mit seiner Stangenwaffe und mein Barbar machen echt fies viel Schaden) haben wir es geschafft. Am Neulingstisch wurde auch fleißig weiter gespielt und alle haben das Abenteuer erfolgreich bewältigt.

PIC000040Dann kam das Highlight des Tages (und der Woche und fast des Monats): Eine Runde Bonekeep mit dem leibhaftigen Mike Brook aus den USA. Auf englisch. Um es gleich vorweg zu sagen, die Sprache war das geringste Problem, denn wenn man englische Regelwerke gewöhnt ist, fällt einem das Spielen auf englisch sehr leicht. Im Gedächtnis ist mir noch geblieben, dass Mike immer “Inisch” statt des im Deutschen üblichen “Ini” sagte. Das Abenteuer war nur für erfahrenere Charaktere geeignet (ab Stufe 3). Wir haben zwei unserer Neulinge mit vorgefertigten Charakteren ausgestattet. Mike hat die Zeit vor der Runde genutzt um uns fleißig Angst zu machen. Unser Karlsruher “PFS-Chef” Wolf hat uns schon lange vorher erzählt, dass Bonekeep echt tödlich ist. Zusammen mit Mikes Andeutungen und seinen ständigen Versuchen, dass wir doch die höherstufige Variante spielen sollen – immerhin waren wir sieben Spieler – hatte Bonekeep eine ziemlich Drohkulisse. Ich hatte mich schon innerlich von meinem halb-elfischen Barbaren verabschiedet, als wir mit Pipi im Stiefel die Treppe in den Dungeon hinunter gingen.

Bonekeep ist ein reiner Dungeoncrawl mit neun Räumen. Man hat vier Stunden Zeit, kann aber zwischen den Kämpfen auch abbrechen. Bricht man während der Kämpfe ab, dann “jagen einen die Monster zu Tode. Ihr werdet irgendwann müde. Meine Monster nicht,” wie Mike uns warnte. Trotzdem sind wir todesmutig hinein. Der Dieb schlich zunächst vor, wurde aber in einem Hinterhalt angegriffen. Wir konnten ihn nur mit vereinten Kräften wieder heraus boxen. Jeder Raum von Bonekeep wartete mit einer neuen Überraschung auf. Unterschiedliche Monster, unterschiedliche Effekte, “komische” Begebenheiten, bei den wir minutenlang überlegt haben, wie wir sie angehen, da wir ständig fiese Fallen vermutet haben. Eigentlich waren die Fallen gar nicht so fies und nicht allzu tödlich, aber nur wenn man sie richtig anpackte. Bonekeep zeichnet sich dadurch aus, dass es deutlich cleverer gestaltete Encounter hat, als viele andere Abenteuer. Überhastetes Vorgehen hätte uns schnell das Leben kosten können.

Doch auch wenn uns das vorsichtige Vorgehen das Leben gerettet hat, hat uns am Ende auch den möglichen Sieg gekostet. Uns ist es gerade so gelungen in den vier Stunden sieben der neun Räume zu durchqueren. Zugeben, nachdem wir erfahren haben, was in den letzten zwei Räumen lauert, hätten wir diese auch sehr wahrscheinlich nicht überlebt. Wir waren nach sieben Räumen schon ziemlich am Ende unserer Ressourcen. Gerade Raum 6 und und 7 (nach Reihenfolge des Betretens nummeriert) waren hart. Unsere Kleriker lagen ständig am Boden und mussten Energie fokussieren, was die Götter hergaben. Trotz des vielen Platzes kamen wir nicht auseinander und wurden ununterbrochen das Opfer eines “Flächenbombardements”. Aber wir haben es überlebt! Das ist mehr als ich vor dem Abenteuer erwartet hätte. Und es war ein Riesenspaß!

PIC000039“Wie bitte? Du erzählst hier von dem tollen Abenteuer und man erfährt überhaupt gar nichts darüber was los war?“ Man erfährt doch das eine oder andere. Mehr Details wird es nicht geben, denn ich will denjenigen, die das Abenteuer noch spielen wollen, nicht zu viel verraten. Wenn man weiß, was einen erwartet, macht das Abenteuer nur halb so viel Spaß. Die Hälfte des Spaßes ist der Nervenkitzel einer potentiell tödlichen Überraschung. “Du hast eine komische Vorstellung von Spaß. Sehr enttäuschend.“ Es soll ja auch nicht Dir gefallen. Aber für alle, die das mal spielen wollen: Noch tourt Mike durch Deutschland und besucht andere “PFS-Zellen”. Ihr könnt ja mal einen Regionalkoordinator in Eurer Nähe anschreiben. Die Kontaktdaten findet Ihr hier.

Es war alles in allem ein toller Tag. Danke an alle Mitspieler, SLs und an Mike fürs Vorbeikommen und Wolf fürs Organisieren.