Der Tod auf Raten

13. März 2013 at 10:07
Autsch!

Autsch!

Gestern habe ich Pathfinder gespielt. Die Gruppe bestand aus Abenteurern der Stufe 1 und 2. Mein Charakter ist ein Barbar der Stufe 1 mit einem ordentlichen Zweihänder. Wie man es erwartet, kann er prima austeilen und auch ganz gut einstecken. Leider muss er das zu oft. Also rund herum ein Barbar. “Und wahrscheinlich auch dumm wie Brot.“ Die anderen spielten ein Zweiwaffenkämpfer, ein Fernkampfranger und eine Priesterin. “Unheimlich gut Kombination. Immerhin war ein Heiler dabei.“ Als wir gegen den fiesen Oberyeti, sozusagen der Endgegner oder BBEG des Abends, gekämpft haben, kam dann so richtig zum tragen, dass wir keinen “Tank” dabei hatten. Keinen Krieger mit Plattenrüstung und Schild oder etwas ähnliches. In Ermangelung eines besser geeigneten Charakters bin ich dann als erster in den Raum gegangen. “Damit sind wir wieder bei “dumm wie Brot”.“ Kaum hatte ich einen Schritt gemacht, trat der Yeti hinter der Ecke hervor und schlug mir eine veritable Sitzbank quer über die eh schon nicht besonders hübsche und vernarbte Visage. Auf dem falschen Fuß erwischt kam es wie es kommen musste und es wurde ein kritischer Treffer. 30 Punkte Schaden. Gegen einen Stufe 1 Charakter. Scheisse. 15 Trefferpunkte sein eigenen nennend und mit einer Konstitution von 16 ausgestattet hatte ich noch verdammtes Glück. Einen Punkt vor dem Existus blieb ich ausblutend am Boden liegend, bevor der Kampf überhaupt wirklich angefangen hatte.

Eine schlechte Initiative kann auch was Gutes sein

Nachdem die Initiative gewürfelt war, ergab sich, dass die Heilerin vor mir dran war und mich gerade noch rechtzeitig stabilisieren konnte. Das war echt verdammt knapp, heilige Scheisse. Ich habe den Kampf dann am Ende tatsächlich überlebt. Aber auf der Metaebene ist auch etwas Interessantes passiert. Der SL war nämlich nicht so richtig bereit meinen Charakter sterben zu lassen und wollte intervenieren. Ich habe aber darauf bestanden die volle Wirkung abzubekommen. Das kann auf Stufe 1 nun einmal passieren und ohne diesen Thrill wären die ganzen Kämpfe doch völlig belanglos. Am Ende habe ich auch meinen Willen bekommen. “So eine elendes Storytellingweichei! Die Würfel sollte man ihm klauen.“ Na ja, so schlimm war es nicht und er hat sogar jeden einzelnen Wurf offen gewürfelt.

Auf dem Heimweg habe ich dann die sehr passende aktuelle Folge des sehr empfehlenswerten Polyeder Podcasts gehört. Dabei ging es um das, was mir um Haaresbreite erspart geblieben ist: Charaktertod. Was tun, wenn das Leben des Charakters zu Ende geht? Mir kam dabei ein Gedanke, warum viele SLs gerne damit Probleme haben Charaktere sterben zu lassen. Ich selbst bin davon auch nicht ganz frei. “Nach Deinem Abenteuer für den letzten Winter-OPC wissen wir ja, dass Du auch ein verkapptes DSA-Story-Weichei bist. Dieser alberne Meister Hempel ist zu Recht auf einem beschissenen Platz gelandet!“ Ich denke, für viele SLs ist es einfach schade, wenn ein Charakter völlig unspektakulär und ohne jede Dramatik das Zeitliche segnet. Einfach nur, weil die Würfel einmal etwas Blödes gezeigt haben. “Willst Du jetzt auch noch Würfeldrehen propagieren?“ Ganz bestimmt nicht! “Na, das hat sich aber ziemlich so angehört.“ Nein, Würfel fallen, wie sie fallen und so sollen sie auch bleiben. Ich versuche genau das Drehen der Würfel zu umgehen und solchen SLs eine Alterantive zu bieten.

Mehr Sang und Klang!

Das heißt, wer nach den Würfeln tot sein sollte, der wird auch sterben. Aber wenn man sich scheut Charaktere so sang- und klanglos sterben zu lassen, dann kann Abhilfe geschaffen werden. Der Handel dabei ist, dass der Charakter nicht sofort stirbt. Er kann sich wieder aufrappeln und noch einen heldenhaften, aber verzweifelten Angriff gegen den Gegner führen, sich ihm mit bloßen Händen an die Kehle werfen und zu versuchen ihn von der Klippe zu stürzen, doch dieser kann sich im letzten Moment losreißen und nur unser – jetzt mit Fug und Recht so genannter – Held stürzt in den Tod. Oder er wirft sich in den nächsten Schlag des Unholds um zu verhindern, dass dieser die geraubte Prinzessin erschlägt und opfert sich für sie. “Handwedeler!“

Klar, es ist eine Änderung der Regeln und so sollte man sie dann auch kommunizieren und das vor allem vor der Runde. “Dass man dich immer erst treten muss…“ Aber dann hat man die Möglichkeit den Charakteren vor ihrem Tod noch eine heldenhafte oder dramatische Szene zu geben ohne viel an den Regeln zu drehen. Zudem ändert sich auch wenig an der Ausgewogenheit eines Kampfes, wenn die heldenhafte Szene kurz nach dem eigentlichen Tod passiert. Es wird nur für die Spieler etwas leichter. Da Kämpfe in denen ein Charakter stirbt aber eh meist schwerer werden als geplant, es fehlt ja “einmal Schaden”, macht es das für den SL aber eigentlich nur leichter. Er muss sich weniger Sorgen um einen TPK machen, er kann einfach weitermachen wie geplant. Und der Spieler hat noch einmal die Chance sich mit einer wirklich tollen Beschreibung einer selbstmörderischen Aktion von seinem Charakter zu verabschieden.

Das Bild ist von syvwlch unter cc-by.