Die Szene unterm Skalpell

3. August 2012 at 10:01

Serie “Abenteuer unterm Skalpell” – Teil 2. Zurück zu Teil 1 der Serie.

Als erstes setze ich das Messer beim erzählerischen Abenteuer an. Bei AceOfDice gibt es ein Diagramm, dass beschreibt, wie ein solches Abenteuer strukturiert ist. Es ist aus einzelnen Szenen aufgebaut, die untereinander verbunden sind. Der einfachste Aufbau ist linear (was dann eine Railroad ist “Das wollte jetzt niemand wissen”), doch Verzweigungen sind ohne weiteres Möglich. Eine Szene kann theoretisch beliebig viele Szenen haben, in die sie übergehen kann. Jede Szene hat mindestens einen Nachfolger, außer es ist die Endszene des Abenteuers. Zudem zeichnet sich das erzählerische Abenteuer durch einen dramatischen Aufbau mit Prolog, Wendepunkt, Spannungsbogen und Finale aus, wobei man auch hier versuchen kann, den Ablauf möglichst offen zu halten. Doch egal, ob es nun eine Railroad in fünf Akten oder eine komplexe Abfolge verschiedener möglicher Szenenkombinationen ist, die Struktur basiert auf den gleichen Elementen.

In die Szene eintauchen

Schauen wir uns also das grundlegende Element dieser Abenteuerstruktur an: die Szene. Eine Szene ist ein kurzer, abgeschlossener Handlungsabschnitt. Sie kann einen Kampf, eine Verhandlung oder andere Aktionen enthalten, aber ohne das Voranschreiten einer bestimmten Handlung ist es keine Szene. Sie findet auch nicht unbedingt an einem bestimmten Ort statt. Eine Szene kann beliebig viele NSC enthalten und natürlich enthält sie auch immer mindestens einen Spielercharakter, sonst braucht man sie ja nicht. Wann im Spielverlauf eine Szene stattfindet, kann vom einem festen ingame-Zeitpunkt abhängen oder von dynamischen Bedingungen, wie “Die Charaktere finden den Dolch des toten Königs“ oder “Der korrupte Bürgermeister erfährt von den Nachforschungen der Helden“. “Du hat also ein Abenteuerelement gefunden, bei dem halt was passiert. Super.“ Du wieder. Nein, eine Szene zeichnet sich dadurch aus, dass ein bestimmter Teil der Handlung voran getrieben wird. Welcher Teil der Handlung betroffen ist, ist relativ klar festgelegt, wenn auch nicht unbedingt das Ergebnis.

Im Buch “Spielleiten“ von Dominik Wäsch, das ich sehr empfehlen kann, werden zwei sehr ähnliche Strukturen aufgeführt: das ereignisbasierte und das situationsbasierte Abenteuer. Der Inhalt vom Situationen und Ereignissen wird nicht detailliert beschrieben, sie unterscheiden sich primär durch die Übergänge und Startbedingungen, worauf ich  im nächsten Artikel dieser Serie noch näher eingehen werde. Situationsbasierte Abenteuer haben keine entscheidenden Unterschied zum erzählerischen Abenteuer von AceOfDice, wohingegen die Ereignisse im ereignisbasierten Abenteuer etwas unabhängiger sind. Sie werden durch bestimmte Zeitpunkte ausgelöst. Der eigentliche Inhalt von Situationen und Ereignissen lässt sich aber ganz gut mit dem einer Szene abdecken. Prinzipiell scheint also diese Art der Handlungsabschnitte durchaus öfter verwendet zu werden. “Es ist ja auch keine Kunst zu bemerken, dass Handlungen in Abschnitte unterteilt werden. Oder isst Du Steak auch immer in einem Stück?“ Unglücklicherweise muss ich dir da Recht geben. Trotzdem hilft einem diese Erkenntnis dabei Abenteuer besser zu verstehen und vorzubereiten. Besonders, wenn man auf die Eigenschaften einer Szene schaut und sie mit den Elementen aus den anderen Strukturen vergleicht.

Die Szene mit Abstand betrachten

Es sollte nun ungefähr klar sein, was eine Szene ist. Zum Abschluss fasse ich die konkreten Eigenschaften der Szene zusammen. Es gibt…

  • die Beteiligten; Personen oder auch Monster, die in ihr auftreten oder anderweitig direkt auf sie einwirken.
  • der Handlungsrahmen, der zumindest ungefähr vorgibt, was passieren wird. Zu genau sollte man die Handlung allerdings nicht vorgeben, denn wir wissen ja alle, dass Spieler ihrem eigenen Kopf haben.
  • einen bestimmten Ort, an dem die Szene stattfindet. Dieser kann aber auch variabel sein.
  • den Zeitpunkt, an dem sie stattfindet kann, der sowohl fest als auch variabel sein kann und von dann anderen Bedingungen abhängt.

Zum Download der Vorlage hier klicken. Der Link zeigt immer auf die aktuellste Version des Dokuments.

Als Ergebnis meiner Analyse habe ich eine Vorlage erstellt, die die gefundenen Eigenschaften enthält und mit der man eine Szene kompakt und übersichtlich zusammenfassen kann. So kann man eine Szene vorbereiten und hat die wichtigsten Fakten am Spieltisch auf einen Blick. Wie sind Eure Erfahrungen? Vermisst Ihr etwas in der Beschreibung einer Szene (oder auch einer Situation, eines Ereignisses)? Im nächsten Teil werde ich mich damit befassen, wie man Szenen verbindet.

Weiter zu Teil 3