Der Tanz um die goldene Edition – WotC von 3e bis 5e

27. August 2012 at 09:30

Dungeons & Dragons-LogoMeine Frage auf Facebook, wer an D&D Next Playtest teilnimmt, hat zu einer Diskussion über die Editionspolitik von Wizards of the Coast geführt. Nachdem ich das Thema seit einiger Zeit selbst schon interessiert verfolge, fasse ich hier zusammen, was ich über die Entwicklungen nach D&D 3.5 bei den Küstenmagiern weiß oder mir ableiten kann. “Glaskugel-Esoterik aufm Deich. Jetzt dreht er total durch.“

Ohne Steuermann in wilder See

Die dritte Edition lief damals gut und darum hat der eine oder andere in der vierten Edition auch eine Weiterentwicklung in dieselbe Richtung erwartet. Doch es wurde ein radikaler Schnitt, an dessen Art und Weise es viel Kritik gab. Hintergrund dafür ist, wenn man Ryan Dancey glauben darf, eine Besonderheit in der Struktur des WotC-Eigners Hasbro: Dort gibt es sogenannte ‘Core Brands’, die einen Umsatz von über 50 Mio. US-Dollar pro Jahr erzielen müssen. Diese Marken werden dafür Flaggschiffe der Firma. D&D lag damals nah genug an dieser Grenze und meinte sie überschreiten zu können.

Dazu setzte man Segel mit der ‘D&D 4′ vom kleinen Eiland der Rollenspiele zum Kontinent der Computerspiele mit seinen teuren Prachtbauten. Das Regelgerüst wurde entsprechend angepasst und man kündigte vollmundig tolle digitale Tools an, wie eine 3D-Dungeonumgebung, dem ersten Schritt zum PC-Spiel. Doch es kam ganz anders. Zunächst nahm der offensichtlich einzige Kopf, auf dem wichtige Teile der Digitalstrategie basierten, das Leben. “Die wollten unbedingt scheitern oder warum hing das alles an Joseph Batten?“ Durch die Fangemeinde ging in der Folge ein breiter Riss und die Verkaufszahlen erlitten Schiffbruch, noch ehe der sichere Hafen von ‘Core Brand’ auch nur in Sicht war. Man sieht das sehr gut an der Vergabe der deutschen Rechte, die dem Vernehmen nach daran scheiterte, dass die Wotzies nicht zu erfüllende Umsatzforderungem hatten. “War das Teil eines zu großen Ziels oder der Versuch es zu retten?”

Zurück zu den Wurzeln

Man kann sicher sagen, dass die vierte Edition von D&D in Sachen Verkaufspolitik gescheitert ist. Das große Ziel eine ‘Core Brand’ zu werden wurde nicht erreicht und die Käuferschar ist tief zerstritten. Es gab auch einige personelle Wechsel, bis der jetzige Chef Mike Mearls ans Ruder kam. Er bekannte sich früh zur neuen Old School-Bewegung. Seine Aufgabe ist es nun mit der neuen fünften Edition ‘D&D Next’ die entstandenen Gräben zuzuschütten und die Fans aller Editionen zu vereinigen. “Bislang ist das ja alles ein ziemliches Gestümpere.” Quatsch. Der große  Umsatz und damit das Ziel ein dicker Fisch im Hasbro-Teich zu werden gelten jetzt sicher nicht mehr. Es ist wohl auch deutlich außer Reichweite von D&D als Rollenspiel. Man kann es schon daran sehen, das WotC jetzt versucht viel näher an den Fans zu sein und die Arbeit an D&D wieder mehr ‘Liebhabercharakter’ hat. Damit wird man eben nie soviel Geld verdienen können wie mit den Transformers. Jetzt muss es noch gelingen die frakturierte Fangemeinde zu vereinen, dann kann nach der gescheiterten finanziell goldenen Edition nun die inhaltlich goldene kommen.

Die Vorstellung eines D&D, das von Hasbro massiv beworben wird und überall zu finden ist, gefällt mir richtig gut. Aber mit wieviel Verfremdung des Spiel ich dafür zahlen würde, das steht auf einem anderen Blatt. Aber das wird nun für immer ein Traum bleiben. “Amen.”